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Tipps & Tricks beim Üben
- So macht Üben Spaß ! -
Anmerkung: Wenn du auf die Fernseher klickst, kannst du dir das entsprechende Kapitel als Video anschauen.
Einleitung
Ein Unterrichtsjahr umfasst - Ferien abgerechnet - meist so um die 40 Unterrichtswochen. In der Regel erhält ein Schüler pro Woche eine Stunde Unterricht auf seinem Instrument. Dies allein ist ungefähr soviel, als würde er nur etwas mehr als 7 Tage (a' 6 Schulstunden) pro Jahr zur Schule gehen.
Wenn man sich diese Rechnung vergegenwärtigt, wird klar, das an ein Weiterkommen mit einem Instrument eigentlich nur zu denken ist, wenn die Zeit zwischen den Unterrichtsstunden auch dazu genutzt wird, um die im Unterricht gelernten Sachen einzuüben und zu trainieren.
Häufig ist es jedoch nicht einfach, auf Dauer die Motivation zum Üben aufzubringen. Deshalb möchte ich an dieser Stelle einige Anregungen zum Thema Motivation geben:
(1) Machbare Ziele setzen
Setze dir selbst und mit deinem Lehrer zusammen Ziele, die du mit Sicherheit erreichen kannst. Das kann z.B. sein:
Wichtig dabei ist, das diese Ziele erreichbar sind, sie sollen in einem für dich überschaubaren zeitlichen Rahmen erreichbar sein. Je jünger der Schüler ist, desto kleiner sollte dieser zeitliche Rahmen sein. Aus diesem Grund bestehen Übungsstücke für kleinere Kinder häufig nur aus wenigen Takten, während Jugendliche und Erwachsene durchaus auch an Stücken arbeiten können, die sich über mehrere DIN A4-Seiten erstrecken.
Ist ein Ziel, das du hast, nicht in kurzer Zeit erreichbar, so ist es sinnvoll, sich Zwischenziele zu setzen: "Die Stelle muß zwar eigentlich später in Tempo 120 bpm gespielt werden - für heute reicht es aber, wenn ich sie mit 80bpm hinkriege. Ich kann das Tempo ja dann jeden Tag etwas steigern."
(2) Erfolge ermöglichen !
Erfolg gehört zu den wichtigsten Motivationsfaktoren überhaupt. Die Freude über ein erreichtes Ziel gibt Kraft und Motivation, die nächste Aufgabe anzupacken.
Je jünger der Schüler, desto mehr ist er dabei noch von den Reaktionen seiner Umgebung abhängig:
Ältere Schüler und Erwachsene brauchen zwar auch noch Lob und Zuspruch, sie können aber meist selbst beurteilen, ob und wann ein Ziel wie gut erreicht wurde.
(3) Gute äußere Bedingungen schaffen
Du gehst nicht gern in den unbeheizten, kalten, dunklen und feuchten Keller um in mühevoller Kleinarbeit dein Instrument auszupacken, den Notenständer aufzubauen, die Noten draufzulegen um dann endlich - nachdem du nochmals nach oben in die Wohnung mußtest, um einen Stuhl zu holen, mit dem Üben anfangen zu können ?
Natürlich nicht. Denn auch diese äußeren Bedingungen haben großen Einfluß auf die Lust zum Üben. Deshalb:
Kurz: tue alles, damit das Spielen mit deinem Instrument zu einer schönen, angenehmen Sache wird ! Denn wenn du entspannt und gut drauf bist, lernst du am effektivsten ! Schlechte Laune, Zeitdruck, Ärger, Hektik, Beengtheit - all das führt zur Ausschüttung von Stress-Hormonen, die das Lernen behindern oder gar verhindern !
(4) Dauer der Trainings-Einheit
Die Dauer des Übens hängt natürlich sehr stark vom Leistungsstand und Ziel des Schülers ab: ein Schüler, der sich auf sein Musikstudium vorbereitet, muss bereit sein mehrere Stunden täglich zu üben. Bei einem Anfänger hingegen reichen ein paar Minuten täglich aus. Für alle jedoch gelten folgende Hinweise:
(5) Zeitpunkt der Trainings-Einheit
(6) Inhalt derTrainings-Einheit
Nur zu gern spielt man natürlich die Sachen, die man schon kann. Das ist auch legitim und darf auch bei jedem Üben gemacht werden, um den Spaß am Musizieren zu erhalten. Außerdem lernt man auch bei Stücken, die man schon gut kann immer noch etwas dazu. Trotzdem gilt immer der Grundsatz: "Geübt werden muss das, was ich noch nicht kann".
Manche kleinere Kinder weichen aber genau diesen Stellen aus und spielen ausschließlich das, was sie schon können. Dem kann man evtl. durch kleine Wettspiele begegnen: "Ob du den schweren 2. Teil auch so gut kannst wie den 1. Teil ?" Aber auch hier gilt: Tritt immer als Unterstützer deines Kindes auf, nicht als Kontrolleur !
Auch im Unterricht wird über verschiedene Übe-Methoden und -Techniken gesprochen, denn auch das richtige Üben will gelernt sein bzw. muss erst einmal (ein-)geübt werden.
(7) Motivation durch Musik im Alltag
Das tägliche Spielen mit dem Instrument fällt Kindern am leichtesten, wenn Musik als etwas spielerisches empfunden wird.
Den letzten Tipp kann ich aus der Erfahrung mit meinen eigenen beiden Kindern heraus geben. Für mich persönlich ist er der Wichtigste:
Übertrage deinem Kind die Verantwortung für sein Weiterkommen auf dem Instrument ("Das ist DEIN Instrument, das DU lernen möchtest. Wie schnell das geht, kannst du selbst steuern, indem du viel übst oder weniger. Wenn du Hilfe brauchst, dann sag Bescheid: ich bin für dich da und unterstütze dich wo ich kann. Aber grundsätzlich ist das DEIN Job.")
Diese Einstellung gibt deinem Kind unheimlich viel Selbstvertrauen: "WOW, meine Mama/mein Papa sind der Meinung, dass ich das schon ganz allein kann." Gleichzeitig fühlt es, daß es dich "im Rücken" hat, falls es doch mal Hilfe braucht.
Diese Einstellung schließt übrigens auch mit ein, gewisse "Null-Bock-Phasen" einfach als "normal" zu akzeptieren; gleichzeitig sollten Lehrer und Eltern in solchen Phasen aber gemeinsam versuchen, wieder Begeisterung für das Instrument zu schüren (Besuch von Konzerten -> Vorbilder, attraktive Stücke etc.), damit keine Negativ-Spirale entsteht. Grundsätzlich ist aber eine "Die Lust-wird-schon-wiederkommen"-Haltung angemessener als panischer, übertriebener Aktionismus.
Bei uns haben sich diese Grundsätze bisher wunderbar bewährt:
Unser Großer (12) spielt jetzt seit fast 7 Jahren Klavier, ist immer noch mit Begeisterung dabei und unser jüngerer Großer (6, "Kleiner" darf ich nicht sagen) geht seit 2 1/2 Jahren gern in die Musikschule (Früherziehung) und fängt gerade an, Schlagzeug zu lernen.
Über das Thema "Üben" gab es viele Gespräche, aber nie Streß oder Ärger.